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Die kulturelle Wurzel der Korruption im Irak

Feb.2011

Faleh Saleh

 

Man kann die irakische Gesellschaft nicht verstehen, wenn man die Kultur der Beduinen nicht versteht.

 

Die Einnahmen des Landes und die Posten im irakischen Staat sind Kriegsbeute der Stämme, die den Irak regieren.
Das ist eine Tradition, die sich bis heute durchgesetzt hat.


Paul Bremer, der erste amerikanische Verwalter des Iraks, hatte Teile der amerikanischen Kriegsbeute (die Posten im neuen irakischen Staat) ähnlich auf die irakischen politischen Gruppen aufgeteilt, die nach dem amerikanischen Einmarsch am 09.04.2003 mit ihm arbeiteten.


Der Einfluss der Stammesgesellschaft

Die Beduinen sind eine Stammesgesellschaft. Die Zugehörigkeit zu einem Stamm war im harten Leben in der Wüste eine Frage des Überlebens. Je größer und stärker der Stamm war, desto eher konnte das (Über)Leben seiner Mitglieder gesichert werden.
In den Jahren, in denen es in der Wüste kaum regnet, sind Wasserstellen und Weidegebiete sehr knapp. Wenn ein Stamm nicht stark genug war, um ein Weidegebiet zu besetzen, waren Rauben und Beute machen die einzige Möglichkeit, für das Überleben der Stammesmitglieder. Rauben, Beute machen und zu versuchen, einander zu übertreffen sind für die Beduinen keinesfalls schlechte Charaktereigenschaften.
Die Männer, die ihrem Stamm dadurch das Überleben sicherten, galten als Helden.
Die irakische Gesellschaft ist immer noch zu einem größten Teil kulturell von Stammesstrukturen geprägt. Das Mitglied des Stammes ist verpflichtet, den anderen Mitgliedern zu helfen, wenn diese Hilfe benötigen, die er leisten kann.
Man nutzt seine Stellung, seinen Einfluss oder seine Macht in seiner Arbeitsstelle, um Vorteile für Verwandte und Freunde zu erlangen. Dabei geht es z.B. um die Beschaffung eines Jobs oder einen Auftrag für die Mitglieder des Stammes. Leute, die dies tun, werden keinesfalls als korrupt angesehen oder bezeichnet. Ganz im Gegenteil, sie genießen hohes Ansehen in der Familie, im Clan und in dem Stamm, zu dem sie gehören.

 

Rauben und Plündern im modernen Irak

Der Putsch der Baath-Partei gegen die schwache Regierung von Herrn „Abdul Rahman Arif“ im Jahre 1968 entsprach einem Raubüberfall auf den Staat. Die Kriegsbeute waren die Einnahmen des Landes und die Posten im Staat. Sie wurden auf die Mitglieder der Stämme aufgeteilt, die sich direkt oder indirekt in diesem Putsch beteiligt oder ihn unterstützt hatten.

Die Putschisten konnten ihre politischen Gegner schnell beseitigen. Um die Kontrolle über den gesamten Staatsapparat zu sichern, sahen sie sich gezwungen, Personen aus ihren eigenen Stämmen, Dörfern und kleinen Städten zu suchen, um diesen die wichtige Positionen im Staate anzuvertrauen. Die Loyalität dieser Personen war den Putschisten sicher. Die „Baath-Partei“ war damals eine kleine Partei, die nicht viele Freunde in der irakischen Gesellschaft hatte.
Die Baathisten hatten unmittelbar nach ihrer Machtübernahme angefangen, junge Leute aus dem Volk, die keine Zukunftsperspektive hatten, für die Mitgliedschaft in ihrer Partei zu rekrutieren. Eine Qualifikation war keine Bedingung. Manche böse Zungen meinen sogar, dass eine Bildung unerwünscht war. Sie wurden nach den Vorstellungen der Partei ausgebildet. Ihnen wurden dann Positionen im Staat und beim Militär anvertraut. Sie bildeten den Staatsapparat.

 

Aufteilung der Kriegsbeute

Nach dem Putsch wurde eine einmalige Staatstruktur geboren. Die meisten damaligen Putschisten stammten aus Dörfern und Städten aus der damaligen „Ramadi“ (heute Anbar) Provinz, der nordirakischen Stadt „Mosul“ und der Provinz Dayala. Die wichtigen Posten in den Ministerien wurden zum größten Teil auf die Einwohner bestimmter Gebieten aus diesen Provinzen aufgeteilt.

Die Schlüsselposten im Staate wurden von den Personen übernommen, die aus dem Ort „Tikrit“ stammen. Die Personen, die aus diesem Ort stammen heißen „Tikritis“.
(Tikrit, lag in der Provinz „Anbar“. Er ist der Geburtsort Saddam Husseins. Saddam hat ihn zu einer Provinz erhoben, die heute die Provinz „Salahuddin“ heißt).

 

Beispiel1 : Das Innenministerium

Der Innenminister war ein „Tikriti“. Die Offiziere des höchsten Rangs im Ministerium waren fast alle „Tikritis“. Die Posten der mittleren Offizieren-Schicht in diesem Ministerium waren fast alle „Samarai“ (aus der Stadt „Samara“ stammend).

 

Beispiel2 : Das Erziehungsministerium

Die meisten wichtigen Posten im Erziehungsministerium wurden auf die Einwohner der Orte Anaa, Rawa und Door verteilt. Sie liegen in der Nähe der Stadt „Tikrit“.
Die Posten in den anderen Ministerien wurden nach dem gleichen Prinzip aufgeteilt.
Der ganze Staatsapparat war auf die Einwohner der Orte aufgeteilt, aus denen die Putschisten stammen.


Beispiel3 : Der Posten des Präsidenten und seine Vize Präsidenten

Herr Ahmad Hassan Al Tikriti hat nach dem Putsch von 1968 den Posten des Staatsüberhaupts und des Oberbefehlshabers der irakischen Streitkräfte an sich gerissen. Er stammt ebenfalls aus dem Ort Tikrit, daher heißt er „Al Tikriti“. Seine damaligen beiden Vize Präsidenten heißen „Saddam Hussein Al Tikriti“ und „Salah Umar Al Tikriti“. Beide stammen ebenfalls aus Tikrit.

 

 

Begrifferklärungen

Die Stadt Tikrit und der Titel Al-Tikriti

Tikrit (wird auch Takrit oder Tekrit genannt). Sie liegt 140 km nordwestlich von Bagdad am Tigris (bei 34,61 ° N, 43,68 ° E). Die Stadt war zurzeit der Machtübername der Baath-Partei ein relativ kleiner Ort. Im Jahr 2002 wuchs seine Einwohnerzahl auf ca. 260.000. Er wurde das administrative Zentrum der neuerschaffenen Provinz „Salah ad-Din“.
Die irakischen Bürger, die aus der Stadt Tikrit stammen, nennt man „Altikritis“. Das Tragen der Abstammung „Altikriti“ zurzeit der Regierung der „Tikritis“ im Irak (die Zeit nach dem Putsch vom 1968 bis 2003) ist vergleichbar mit dem Tragen der Titel eines Prinzen im heutigen Saudi Arabien oder den Golfstaaten. Wer diesen Titel trug, war unantastbar.

 

Die Beduinen

Die Beduinen sind die Nomaden, die in den arabischen Wüsten leben. Teile von ihnen haben sich in Dörfern und Städte niedergelassen. Ihr Charakter und ihre Kultur, die sich über Jahrtausende entwickelt hatten, prägt ihr Verhalten immer noch.

 

Die Baath-Partei

Die Arabische Sozialistische Baath-Partei ist eine nationalistische pan-arabische Partei, die die Politik im Irak über Jahrzehnte eingeprägt hatte. Sie regierte den Irak von 17.07.1968 bis 09.04.2003.


 

 

Die weiteren Beiträge

Faleh Saleh

Die Korruption im Irak – 2 -
Die Verankerung durch die ersten Golfkriege und durch das Embargo.

 

Die Korruption im Irak – 3 -
Die Wucherung nach 09.04.2003.

 

Die Korruption im Irak – 4 –
Die Förderung durch die Alliierten.

 

Die Korruption im Irak – 5 -
Die Förderung durch die irakischen Organisationen und Parteien.

 

Die Korruption im Irak – 6 -
Die Förderung durch die internationalen NGOs.

 

Die Korruption im Irak – 7 –
Die Macht und die Formen der heutigen Korruption.

 

Die Korruption im Irak – 8 –
Die Korruption im Irak als ein sozialer Charakter.

 

 

 

 

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